INTERNET und DEMOKRATIE

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Bonner „Bürgerhaushalt“ – Was Nutzer sagen

Posted by Stephan Eisel - 26. Januar 2011

„Absurd“ – „manipuliert“ – „gewaltiger Flop“ – „Ich fühle mich benutzt“ – „Reine Farce“ –  „Traurige Angelegenheit“ – „wende mich mit Grauen ab“ – „Realisierung doch sehr bedauerlich“ – Die Kritik am Internet-gestützten Bürgerhaushalt in Bonn wächst.

Hier einige Stimmen von Bürgern, die an der Internetabstimmung teilgenommen haben. Sie sind zu finden im Forum „Lob&Kritik“ der Seite http://www.bonn-packts-an.de: 

„Das hier praktizierte Verfahren der „Bürgerbeteiligung“ hat mindestens drei Schwachstellen: 1. Keiner ermittelt, wie viele der Abstimmenden tatsächlich Bonnerinnen und Bonner sind. 2. Technisch ist es ein Leichtes, mithilfe mehrerer E-Mail-Adressen mehrfach zu votieren. 3. Die unmittelbare Veröffentlichung der Voten hat zur Folge, dass die Mehrheitsmeinung stets weitere Unterstützung findet. Dieses Abstimmungsverhalten wurde in der Meinungsforschung hinlänglich untersucht und belegt. – Man stelle sich vor, im Wahllokal liefe ein „Stimmen-Ticker“ während der Abstimmung öffentlich sichtbar mit…“
Teilnehmer „Squirrel“

„Ich hatte mir von dem Portal mehr erwartet, die Realisierung ist doch sehr bedauerlich.“
Teilnehmer „mfarnsch“

„Aussagekräftig ist das hier absolut nicht: Nachdem ich mich hier eingelesen habe, das Thema „Frauenmuseum“ war Anlaß, wende ich mich mit Grauen aus diesem unsäglichen HickHack ab. Was hier passiert ist ein Durcheinander von Vorschlägen und einer teils ungefilterten Pseudoargumentation zu Einsparungen von A bis Z, Pro und Contra. Was soll hier eigentlich bewiesen werden ?“
Teilnehmer „Stadtdrucker“

„Die Art, wie diese Bürgerbefragung durchgeführt wird, finde ich absurd. Es ist ein abstruses Mischmasch zwischen Vorschlägen der Verwaltung, über die abgestimmt werden soll (mit viel zu wenig Hintergrundinformation über die Konsequenzen etwaiger Kürzungen), Vorschlägen von Bürgern (mit noch weniger Hintergrundinformationen…) und Vorschlägen der „Redaktion“, was wohl absurderweise bedeutet, daß diejenigen, die diese Bürgerbefragung rein technisch durchführen und auswerten, selbst Vorschläge für Kürzungen eingebracht haben. Das ist das Gegenteil von Demokratie! Ich bin wirklich tief getroffen darüber, daß diese Bürgerbefragung über Bonn „hereingebrochen“ ist und unser Gemeinwesen zu zerfleischen droht. Ich beteilige mich leider aber doch, um meinen Teil dazu beizutragen, in diesem Irrsinn das Irrsinnigste zu verhindern.“
Teilnehmer „Besarin“

„Ich fühle mich benutzt!! Es tut mir jetzt im Nachhinein schon leid, dass ich teilgenommen habe. Ich bin Entäuscht!! Jede IT-AG einer FH oder Uni hätte diese Umfrage besser gemacht, begleitet und redigiert.“
Teilnehmer „Bedenkentraeger“

„Eine Bürgerbefragung , die wie diese hier mit dem simplen Pro/Neutral/Contra-Schema leider jede Art von Mißbrauch nicht ausschließen kann und daher weit entfernt von jeder Art der Repräsentativität ist , ist von vorneherein nicht geeignet, unsere parlamentarische Demokratie um überzeugende „Wasserstands“-Meldungen zum Meinungsstand der Bürgerschaft zu produzieren. Die statistischen Ergebnisse, die Sie bekanntgeben, sind von vorneherein wertlos; schade um das Geld, das für solchen Irrweg ausgegeben wird.“
Teilnehmer „WoHo“

„Ich gebe mir nicht der Mühe, weitere Vorschläge einzusehen, da diese Plattform inzwischen eine Dimension angenommen hat, die niemand überblicken kann.“
Teilnehmer „Graurheindorfer“

„Das Ganze ist zudem völlig unübersichtlich angelegt und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, hier hat die Ratlosigkeit der Verantwortlichen der Stadt Bonn in einer Art überdimensionalen Quasselbude ein Pendant gefunden.  Als Entscheidungshilfe wird, kann und darf diese Form der Bürgerbeteiligung nicht funktionieren. Ich fürchte, diese mißverstandene Form von Demokratie wird die Bevölkerung eher spalten als zu einem verantwortungsvollen, sinnvollen und notwendigen Nachdenken über das anregen, wie die Stadt Bonn angesichts klammer Kassen ihr Gesicht als Kultur- und Universitätsstadt mit überregionaler Bedeutung wahren kann. Ein Rückfall in dumpfe Provinzialität, wie er manchen Beiträgen hier zu entnehmen ist, wäre verheerend! „
Teilnehmer „alternativlos“

„Dieses Forum ist manipuliert und wird so zum Flop“
Teilnehmer „denkmalbonn“

„Bislang scheint das Bürgerbeteiligungsforum ein gewaltiger Flop zu sein. Leider zu viele Vorschläge, so es denn wirklich welche sind, wiederholen sich zu oft. Grund dürfte die Unübersichtlichkeit und der für diesen Zweck noch zu komplizierte Zugang sein (Der übliche Kardinalfehler der IT-Professionals, die sich nicht vorstellen können, dass es Menschen gibt, die nicht einen Großteil ihres Lebens zwischen Screen und Keyboard verbringen). Die Qualität der Beiträge lässt vermuten, dass hier viele mal Ihren undifferenzierten Ärger loswerden wollen. Das mag grundsätzlich berechtigt sein, konterkariert aber die ursprüngliche Zielsetzung des Forums.“
Teilnehmer „Budgetdev11“

„Ich halte diese Bürgerbefragung für baren Unsinn. Man sollte sie eher »Stammtisch-Forum« nennen und ich befürchte, dass sie den sozialen Frieden unter den Bürgern nachhaltig beschädigt. Keiner von uns kann hochspezifische Fragen beurteilen, ob Einsparungen in der Verwaltung machbar sind, wieviel und wo, ob Sperrmüll individuell eingesammelt billig kommt als generell, ob Einsparung bei einem Museumsetat das Haus u.U. total blockieren würden etc. pp. Dass hier jeder mal richtig Klugscheißen darf und Stänkern gegen das, was er eh noch nie in Anspruch genommen hat und darum für entbehrlich hält, löst unsere Probleme nicht. Ich war zur Kommunalwahl gegangen, weil ich hoffte, die Gewählten würden diese Probleme nach Sachlage qualifiziert für mich entscheiden. Die Rückgabe dieses Balls an den Bürger gleicht einem Offenbarungseid.“
Teilnehmer „Donald“

„Gut gemeint – aber aus den Fugen geraten: Heute, 22.1., angemeldet. Oh Gott: Ein Wust von Vorschlägen, über 700. Die soll ich bewerten? Ich finde für jedes Bad einzeln denselben wortreichen „Vorschlag“ der Verwaltung (D31-D39 = 9). Worüber stimmte ich eigentlich bei der Aussage „Bei einer Reduzierung der Finanzmittel kann entsprechend die freiwillige Leistung nicht mehr angeboten werden.“ ab? Ärgerlich, dieses Zuschütten mit Amtsdeutsch. Auf Nimmerwiedersehen. (Und wenn ein Vorschlag übers Call-Center hereinkam, dann ist der erste Satz.) Abstimmungsergebnisse werden vor der indiv. Abstimmung gezeigt, das verzerrt das Ergebnis.“
Teilnehmer „FritzJoern“

„Reine Farce! Die Seiten werden nicht zeitnah redaktionell betreut, die Vorschläge sind wahllos aneinandergereiht. Jeder kann hier seinen mitunter hart an der Grenze formulierten Ressentiments nachgehen. Die Seiten sind unübersichtlich und das durchklicken durch tausende von diesen einfach unmöglich. Zuviel Information trägt eben auch zur Desinformation bei. Ich bedaure, das Projekt bisher befürwortet zu haben.“
Teilnehmer „xbakuninx“

„Traurige Angelegenheit, dieses Forum: um mich hier nicht in Ausschweifungen über die Sinnhaftigkeit dieser Art der „Bürgerbeteiligung“ zu ergehen begnüge ich mich auf einen Verweis auf den link eines Artikels der taz dazu: http://taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/bonn-packts-weg/ viel mehr braucht es dann nicht mehr. Das Niveau der hier eingestellten Vorschläge, seien es aus der „Verwaltung“ oder aus dem Bürgerbereich, ist erschreckend dürftig. „
Teilnehmer sol

„Unübersichtlichkeit und Vorschläge nicht ernst zu nehmen. Hier sind so viele Vorschläge eingestellt / teilweise mehrfach, so dass es keinen Sinn macht auf die Bewertungen zu schauen. Wer hat die Zeit alle Zeiten durchzublättern und den vielleicht sinnvollen Vorschlag auf Seite xx dritter von unten zu finden? „
Teilnehmer TC77

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Eine Antwort to “Bonner „Bürgerhaushalt“ – Was Nutzer sagen”

  1. Dr. Wendelin WILHELM said

    Bei der Internet-Befragung zum Haushalt der Stadt Bonn handelt es sich um reine Verärmelung der Bonner. Der Oberbürgermeister als oberster Chef und damit als einziger Weisungsberechtigter der Verwaltung sowie der Rat der Stadt Bonn verweigern sich verantwortungsvoller Entscheidungen nicht zuletzt bei Ausgaben-Kürzungen und versuchen ihre Verantwortung als OB bzw. gewählte Vertretung teilweise auf Bürger abzuschieben und damit Verantwortung zu verwischen.

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