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Kulturminister in Mecklenburg-Vorpommern blamiert sich mit Online-Abstimmung

Posted by Stephan Eisel - 12. Oktober 2012

Der Kulturminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb (SPD) hat am 5. Oktober 2012 eine „Online-Befragung“ zur künftigen Theater- und Orchesterstruktur gestartet, die jeder Beschreibung spottet. Der Manipulation sind dabei Tür und Tor geöffnet.

Die Abstimmung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur findet ohne jede Registrierung auf der Internetseite „Theaterlandschaft der Zukunft in MV“ statt. Genutzt wird die Allerwelts-Spoftware „QUES“ in ihrer einfachsten Version. Mehrfachabstimmungen sind problemlos möglich. Hinter der Domain-Adresse der Abstimmungsseite steht ein „Institut für Qualitätssicherung Mecklenburg Vorpommern“, dessen Website auch drei Tage nach Beginn  der Abstimmung noch “ im Aufbau“ ist und der außer einer Postadresse nichts zu entnehmen ist.

In einer am 8. Oktober 2012 veröffentlichen Presseerklärung des Ministeriums heisst es:

„Mir ist bewusst, dass Abstimmungen über das Internet nie 100 prozentig sicher sind und wir uns letztendlich nicht vollständig vor Missbrauch schützen können“, erklärte der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mathias Brodkorb. „Wir haben dennoch auf die Erhebung personenbezogener Daten verzichtet, weil wir davon ausgehen, dass alle Beteiligten verantwortungsvoll mit der Online-Abstimmung umgehen. Ich weiß, dass es sich bei diesem Stimmungsbild nicht um eine repräsentative Umfrage handelt, sondern um ein Angebot, sich einzubringen.“

„Weder eine Anmeldung mit E-Mailadressen noch ein IP-Filter würden das gewünschte Ziel, mehrfache Abstimmungen Einzelner zu unterbinden, erreichbar machen. Ich selbst könnte ohne Aufwand von sieben verschiedenen Geräten aus abstimmen oder eine beliebige Zahl an E-Mailadressen anlegen.“ „Offensichtliche Manipulationen, werden nicht in die Endbetrachtung mit einfließen“, so Brodkorb weiter.

Weitere Erläuterungen werden dazu nicht gegeben. Mit seinem Hinweis, es würden keine „personenbezogenen Daten“ erhoben, lenkt der Minister davon ab, dass zur Teilnahme an der Abstimmung noch nicht einmal eine e-mail-Registrierung verlangt wird.

Die Software erlaubt den Nutzern im übrigen auch keinen Einblick in die Ergebnisse. Das Ministerium teilte in seiner Presseerklärung lediglich mit, dass in den ersten drei Tagen „105 Voten“ eingegangen seien.

Das mit solchen dubiosen Methoden ausgerechnet schwierige kulturpolitische Fragen wie die Zukunft der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern angegangen werden, ist besonders bedauerlich und schmerzhaft.

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