INTERNET und DEMOKRATIE

Blog zum Buch von Stephan Eisel (weitere Informationen: www.stephaneisel.de)

Netzpolitik 2012

Posted by Stephan Eisel - 19. Dezember 2012

2012 war ein gutes netzpolitisches Jahr, weil der schnelle Absturz der Piratenpartei gezeigt hat, dass wer die Chancen des Internets sinnvoll nutzen will, auch seine Grenzen kennen muss.

Erneut sieht der (N)ONLINER Atlas 2012 nur 38 Pro­zent der Bürger in der digitalen Alltagswelt angekommen. In der Demokratie darf es keine Ausschließlichkeit der digitalen Welt geben. Das Internet ist auch nicht per se demokratisch. Es offenbart gerade dort die Relativität seiner Relevanz, wo es als Abstimmungstool genutzt wird: Selbst von den Piraten, die sich über die kontinuierliche Entscheidungsfindung im Netz definieren, hat sich nur ein Drittel bei der internen Abstimmungsplattform „Liquid Feedback“ registriert. An den Einzelabstimmungen beteiligt sich nur ein harter Kern von weniger als fünf Prozent. 2012 hat mit dem Hype um die Piraten als Internetpartei begonnen und endet mit ihrem Niedergang. Damit hat sich die nüchterne reflektierte Betrachtung des Internets gegen naive Erlösungsphantasien durchgesetzt: Technikfaszination landet ohne Demokratiekompetenz eben in der Sackgasse.

(Statement von Stephan Eisel erschienen am 19. Dezember 2012 bei politik-digital.de)

4 Antworten to “Netzpolitik 2012”

  1. Boomel said

    Och Herr Eisel,
    das noch nicht alle digital angekommen sind, heißt nicht, dass Sie die Zeit schreibend anhalten müssen….
    Die Taktgeber der Politik finden in Zukunft online statt. Anstatt über den gewünschten Niedergang der Piratenpartei zu fabulieren (vgl. http://www.kommunalpiraten.de bzw. http://www.piraten-statistiken.de/ und ) würde es Ihnen gut stehen Ihre Partei fit für den Onlinediskurs zu machen.
    Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch wünscht ein Pirat aus Bayern.

    • Ihre verlinkte Statistik zeigt 201 kommunale Mandate für die Piraten von über 10.000 Kommunalmandaten insgesamt. Ich bin beeindruckt… Der Niedergang der Piraten zeigt zum einen, dass diese Partei kein Online-Monopol hat zum anderen, dass die eindimensionale Fixierung auf das Internet die politischen Probleme unserer Zeit nicht löst.
      Wie gesagt: Zur Technikfaszination muss Demokratiekompetenz kommen !

      • Boomel said

        Den von Ihnen erfundenen „Niedergang“ hätte es überhaupt nicht geben dürfen, würde man Ihrer erdichteten Irrelevanz-Theorie folgen.
        Aber während sich die Piraten bewusst technikorientiert aufstellen und die Grundlagen schaffen, wie unsere Gesellschaft ihren „Vertrag“ im digitalen Zeitalter aushandeln kann, darf man mal fragen:

        Wie löst die Union (auch die SPD) ihr massives Demografieproblem? Seh ich es richtig das beide Volksparteien in 15 Jahren ca. 50% Ihrer Wähler verlieren werden?

      • Eine der Fehleinschätzungen der Piraten war und ist offenkundig, die der Partei zugewachsenen zahlreichen Proteststimmen als Zustimmung zu ihrer Internetfixierung misszuverstehen. Eine andere Fehleinschätzung ist der Glaube, Technikbegeisterung reiche zur Lösung politischer Probleme. Es muss eben zur Technikbegeisterung die Demokratiekompetenz kommen.

        Die Volksparteien haben ihre eigenen Probleme, die im Blick auf das Internet auch mit zu grosser Distanz zu tun hat.

        Ich plädiere dafür die Chancen und Risiken des Internets nüchtern zu bewerten. Beim ersten Aspekt haben manche in der etablierten Politik ihre Defizite, im zweiten liegen die Probleme der Piraten.

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